{"id":571,"date":"2024-10-17T15:17:28","date_gmt":"2024-10-17T13:17:28","guid":{"rendered":"https:\/\/autismusinfo.com\/?p=571"},"modified":"2024-10-17T15:17:28","modified_gmt":"2024-10-17T13:17:28","slug":"autismus-und-mobbing-neue-entwicklungen-in-der-forschung-und-unterstuetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autismusinfo.com\/da\/autismus-und-mobbing-neue-entwicklungen-in-der-forschung-und-unterstuetzung\/","title":{"rendered":"Autismus und Mobbing \u2013 neue Entwicklungen in der Forschung und Unterst\u00fctzung"},"content":{"rendered":"<section class=\"bde-section-571-110 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-button-571-109 bde-button\">\n        \n    \n    \n    \n    \n            \n                    \n            \n            \n\n    \n    \n    \n    \n    \n    <a class=\"breakdance-link button-atom button-atom--primary bde-button__button\" href=\"https:\/\/autismusinfo.com\/da\/blog\/\" target=\"_self\" data-type=\"url\"  >\n\n    \n        <span class=\"button-atom__text\">Zur\u00fcck<\/span>\n\n        \n        \n                <\/a>\n\n    \n\n\n<\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-571-102 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-columns-571-106 bde-columns\"><div class=\"bde-column-571-107 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<h1 class=\"bde-heading-571-101 bde-heading\">\nAutismus und Mobbing \u2013 neue Entwicklungen in der Forschung und Unterst\u00fctzung\n<\/h1><div class=\"bde-text-571-111 bde-text\">\n17. oktober 2024\n<\/div>\n<\/div><div class=\"bde-column-571-108 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"bde-image-571-105 bde-image\">\n<figure class=\"breakdance-image breakdance-image--573\">\n\t<div class=\"breakdance-image-container\">\n\t\t<div class=\"breakdance-image-clip\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"breakdance-image-object\" src=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing.jpg\" width=\"1080\" height=\"1080\" srcset=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing.jpg 1080w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing-300x300.jpg 300w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing-150x150.jpg 150w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing-768x768.jpg 768w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Autismus-und-Mobbing-12x12.jpg 12w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\"><\/div>\n\t<\/div><\/figure>\n\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-571-112 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-rich-text-571-113 bde-rich-text breakdance-rich-text-styles\">\n<p><strong>Von Professor Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett, \u00dcbersetzung \u2013 ProZ-Probono-Network<\/strong><\/p>\n<p>Warum werden autistische Kinder so h\u00e4ufig Opfer von Mobbing? Aus unserer jahrelangen klinischen Erfahrung wissen wir, dass es meist viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt. Der Hauptgrund ist, dass sie als leichte Opfer wahrgenommen werden, weil sie oft alleine sind und keinen Freundeskreis haben, der sie sch\u00fctzt. Da sie zudem wenig Selbstvertrauen haben, wirken sie in ihrer K\u00f6rperhaltung und K\u00f6rpersprache oft unsicher und verletzlich. Wegen ihres geringen Selbstwertgef\u00fchls und ihres sozialen Status k\u00f6nnen sie als relativ \u201eleichtes Ziel\u201c wahrgenommen werden\u00a0\u2013 als jemand, der sich wahrscheinlich nicht wehren kann oder in der Lage ist, auf eine Art und Weise zu kontern, die den Mobbern Schwierigkeiten bereiten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dazu kommen noch Schwierigkeiten im Bereich des sozialen Denkens und der Theory of Mind (Perspektiven\u00fcbernahme). So kann es vorkommen, dass Betroffene nicht feststellen k\u00f6nnen, ob eine Handlung oder eine Aussage absichtlich oder versehentlich geschieht, ob es sich um harmlose Neckereien oder b\u00f6swillige H\u00e4nseleien handelt und wo der Unterschied zwischen Humor und Beleidigung liegt. Mobbing kann bei autistischen Kindern mit ganz unterschiedlichen F\u00e4higkeiten auftreten, auch bei Kindern, die eine Sonderschule besuchen (van Roekel, Scholte &amp; Didden, 2010). Laut einer Studie interpretieren autistische Jugendliche, die h\u00e4ufig gemobbt werden, Situationen, in denen sie nicht gemobbt werden, manchmal f\u00e4lschlicherweise als Mobbing. Sie reagieren stark und schnell, ohne die Absichten zu analysieren.<\/p>\n<p>Es kann auch sein, dass das autistische Kind Konflikte schlecht l\u00f6sen kann und andere sich dar\u00fcber lustig machen, wenn es aufgebracht ist. Neuere Studien haben zwei weitere Gr\u00fcnde aufgezeigt: Viele k\u00f6nnen sich nicht optimal auf soziale Situationen einstellen und wehren sich gegen Ver\u00e4nderungen (Forrest, Kroeger &amp; Stroope, 2020). Aufgrund des Widerstands gegen Ver\u00e4nderungen sind die Reaktion und die Antwort eines autistischen Kindes vorhersehbar, und es ist schwierig, sich effektive L\u00f6sungsstrategien anzueignen. Die intensive emotionale Reaktion ermutigt au\u00dferdem das mobbende Kind noch zus\u00e4tzlich (Cappadocia et al., 2012).<\/p>\n<p><strong>Die H\u00e4ufigkeit von Mobbing<\/strong><\/p>\n<p>In einer Studie, an der \u00fcber 1.200 Eltern autistischer Kinder teilnahmen, wurde untersucht, wie h\u00e4ufig ihr Kind \u00fcber einen Zeitraum von einem Monat gemobbt wurde. 38\u00a0% der Kinder wurden gelegentlich gemobbt, weitere 28\u00a0% wurden h\u00e4ufig gemobbt. Die meisten autistischen Kinder erleben also im Laufe von einem Monat irgendeine Form von Mobbing (Zablotsky et al., 2013). Eine Studie von Schroeder et al. (2014) best\u00e4tigte, dass autistische Kinder sehr stark von Mobbing betroffen sind: 40\u00a0% der autistischen Studienteilnehmenden wurden t\u00e4glich schikaniert, weitere 33\u00a0% zwei- bis dreimal pro Woche. In einer Studie von Fisher und Taylor (2016) \u00fcber autistische Jugendliche wurde festgestellt, dass Gleichaltrige in 73\u00a0% der F\u00e4lle autistische Jugendliche als Opfer w\u00e4hlen, w\u00e4hrend dies bei nicht-autistischen Jugendlichen nur bei 10\u00a0% der Fall ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Die Anzeichen von Mobbing<\/strong><\/p>\n<p>Die Anzeichen von Mobbing k\u00f6nnen schwer zu erkennen sein, es sei denn, Eltern und Lehrkr\u00e4fte halten gezielt nach ihnen Ausschau. Beispiele daf\u00fcr sind eine Ablehnung durch Gleichaltrige, weniger Einladungen zu Geburtstagsfeiern oder die Tatsache, dass man beim Mannschaftssport zuletzt ausgew\u00e4hlt wird (Kloosterman et al., 2013; Schroeder et al., 2014).<\/p>\n<p>Andere subtile Anzeichen von Mobbing sind Schubsereien und zusammengebundene Schn\u00fcrsenkel (Fisher &amp; Taylor, 2016). Es kann physische Hinweise geben, wie z. B. verlorene oder besch\u00e4digte Gegenst\u00e4nde oder zerrissene Kleidung, oder medizinische Hinweise, wie z. B. Bluterg\u00fcsse, Verletzungen, Magenschmerzen, Kopfschmerzen und Einschlafprobleme. Psychologisch dr\u00fccken sich Symptome meistens als gesteigerte Angst aus, insbesondere vor der Schule, als Depressionen, Schulverweigerung und gewaltt\u00e4tige Reaktionen auf Mobbing, die zu einer Suspendierung f\u00fchren. Manchmal fehlt auch v\u00f6llig das Vertrauen in Gleichaltrige. Das geht sogar bis hin zu Paranoia, einer Ver\u00e4nderung des besonderen Interesses und einer Faszination f\u00fcr Waffen und Gewaltfilme, mit Zeichnungen von Vergeltung und Vergeltung.<\/p>\n<p>Wenn Eltern fragen, ob ihr Kind in der Schule gemobbt wird, kann es sein, dass es z\u00f6gert, diese Erfahrungen mitzuteilen. Denn dies bedeutet, die Emotionen erneut durchleben zu m\u00fcssen. Manchmal zeigen autistische Kinder und Jugendliche auch Anzeichen von Alexithymie, das hei\u00dft, sie haben erhebliche Schwierigkeiten, Gedanken und Gef\u00fchle in Bezug auf das erlebte Mobbing zu beschreiben.<\/p>\n<p><strong>Feststellen von Mobbing<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr autistische Kinder und Jugendliche wurde ein neues Instrument zur Beurteilung von Mobbing-Erfahrungen entwickelt (Morton et al., 2022). Das 22 Punkte umfassende Assessment of Bullying Experiences (ABE) beurteilt verbale, k\u00f6rperliche, relationale und digitale Viktimisierung anhand von Beispielen von Mobbing-Erfahrungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Beleidigungen<\/li>\n<li>H\u00e4nseleien<\/li>\n<li>\u00c4rgern<\/li>\n<li>Lustig machen oder Nachahmen<\/li>\n<li>Direkt: schlagen, sto\u00dfen, schubsen<\/li>\n<li>Indirekt: schlagen, sto\u00dfen, schubsen<\/li>\n<li>Besch\u00e4digung von Eigentum<\/li>\n<li>Ausschluss aus der Gruppe<\/li>\n<li>Ignoriert werden<\/li>\n<li>Ausschluss aus einer Online-Gruppe<\/li>\n<li>Sich online f\u00fcr die Person ausgeben<\/li>\n<li>Beleidigungen in sozialen Medien<\/li>\n<li>Verbreiten von Ger\u00fcchten<\/li>\n<li>Festhalten oder Fesseln<\/li>\n<li>Physisch einen Gegenstand wegnehmen<\/li>\n<li>Essen\/Gegenstand aus der Hand schlagen<\/li>\n<li>Geh\u00e4nselt werden, weil man sich einer Gruppe angeschlossen hat<\/li>\n<li>Provozieren eines Wutausbruchs<\/li>\n<li>Verletzende digitale Nachrichten<\/li>\n<li>Verletzende Online-Posts<\/li>\n<li>Peinliches Foto\/Video<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Bewertung umfasst direkte zwischenmenschliche Mobbing-Erfahrungen in der Schule und in den sozialen Medien. Es ist m\u00f6glich, dass das eigene Zuhause kein Zufluchtsort vor Mobbing ist, wenn Cybermobbing und Mobbing durch Geschwister auftreten.<\/p>\n<p>Es gibt jetzt eine neue webbasierte Touchscreen-App zur Erfassung der selbstberichteten Traumaexposition und der Symptome bei autistischen Kindern im Alter von 8\u201314 Jahren (Hoover &amp; Romero, 2019). Die App enth\u00e4lt acht Elemente zur Traumaexposition, darunter Mobbing und H\u00e4nseleien.<\/p>\n<p><strong>Aufdecken von Mobbing und Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Kind, das gemobbt wird, sucht unter Umst\u00e4nden Hilfe bei Lehrkr\u00e4ften, befreundeten Kindern, anderen Schulkindern und Eltern oder versucht, die Erfahrungen alleine zu bew\u00e4ltigen (Humphrey &amp; Symes, 2010). Wenn eine Lehrkraft informiert wird, stellt sich h\u00e4ufig die Frage, welche anderen Lehrkr\u00e4fte und Assistenzpersonen informiert werden sollen und ob sie die Situation \u00e4ndern k\u00f6nnen und wollen. Wir haben festgestellt, dass Gleichaltrige es manchmal missbilligen, wenn von Mobbing Betroffene Hilfe bei der Lehrkraft suchen. Die anderen Kinder der Klasse betrachten das Verpfeifen eines Kindes also vielleicht als gr\u00f6\u00dferes soziales Verbrechen als das Mobben. Autistische Kinder sind eher bereit, sich befreundeten Personen anzuvertrauen, wenn sie den Eindruck haben, dass diese etwas gegen die Situation unternehmen k\u00f6nnen oder einen gewissen sozialen Einfluss auf die Mobbenden haben.<\/p>\n<p>Die Eltern sind oft der letzte Ausweg, wenn es um Unterst\u00fctzung geht. Das liegt manchmal daran, dass sich die Kinder unwohl f\u00fchlen, wenn ihre Eltern in ihr Schulleben involviert sind, und davon ausgehen, dass Eltern w\u00e4hrend und unmittelbar nach einem Mobbingfall keine Unterst\u00fctzung leisten k\u00f6nnen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es durch Stress bei den Eltern auch weniger wahrscheinlich wird, dass das Kind den Eltern vom Mobbing erz\u00e4hlt (Weis et al., 2015). Wenn Eltern wenig Stress haben und offen \u00fcber Probleme in der Schule sprechen, ist es einfacher, vom Mobbing zu erz\u00e4hlen. In Familien mit viel Stress ist es weniger wahrscheinlich, dass vom Mobbing berichtet wird.<\/p>\n<p>Oft wird das Mobbing also alleine bew\u00e4ltigt. Die Reaktionen reichen vom Ignorieren des Mobbings und Weggehen bis hin zu Gewalttaten, die als einzige M\u00f6glichkeit angesehen werden, das Mobbing zu beenden. Bei Interventionsstrategien m\u00fcssen viele weitere und geeignetere Reaktionsm\u00f6glichkeiten erprobt und eingesetzt werden, wenn sich Gewalt als wirksam erwiesen hat.<\/p>\n<p><strong>Die Auswirkungen von Mobbing<\/strong><\/p>\n<p>Als Fachpersonen wissen wir, dass die psychologischen Auswirkungen von Mobbing verheerend sind und zu einer Reihe von psychischen Problemen beitragen. Mobbing ist eine der Hauptursachen f\u00fcr Schulverweigerung und Suspendierung, oft weil das Opfer w\u00fctend geworden ist und sich revanchiert hat (Bitsika, Heyne &amp; Sharpley 2021). Es kann dazu beitragen, dass sich eine Angstst\u00f6rung entwickelt, weil man jeden Tag einen Mobbing-Angriff oder einen Hinterhalt f\u00fcrchtet und wei\u00df, dass es keine M\u00f6glichkeit gibt, solche schmerzhaften emotionalen Erfahrungen zu verhindern. Die abf\u00e4lligen und provozierenden Kommentare und Handlungen k\u00f6nnen vom gemobbten Kind verinnerlicht und geglaubt werden, was zu einem geringen Selbstwertgef\u00fchl und klinischer Depression (Kim &amp; Lecavalier, 2021; Ung et al., 2016) und Suizidalit\u00e4t (Halloran, Coey und Wilson, 2022) f\u00fchren kann. Da so viele Interaktionen mit Gleichaltrigen mit Mobbing in Verbindung gebracht und so wenige positive soziale Interaktionen erlebt werden, kann sich aufgrund ihres realen Erlebens der Interaktionen mit Gleichaltrigen in der Schule ein Gef\u00fchl der Paranoia entwickeln.<\/p>\n<p>Wir erkennen zunehmend, dass einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr das Maskieren von Autismus darin zu finden ist, Mobbing zu vermeiden (Cage &amp; Troxell-Williams, 2019; Chapman et al., 2022). Wir erkennen auch einen Zusammenhang zwischen Mobbing und der Entwicklung von Anorexia nervosa (Brede et al., 2020) und Geschlechtsdysphorie (Chang et al., 2021).<\/p>\n<p>Da autistische Kinder und Jugendliche sehr sensibel auf h\u00e4ufiges Mobbing reagieren und Schwierigkeiten haben, die Absichten anderer zu erkennen, kann es m\u00f6glicherweise nicht zwischen harmlosem Necken und nicht harmlosen H\u00e4nseleien unterscheiden, was die Entwicklung einer echten Freundschaft behindern kann. Au\u00dferdem schaffen andere m\u00f6glicherweise eine Distanz zwischen sich und dem autistischen Kind, um nicht selbst gemobbt zu werden. Dies verst\u00e4rkt das Gef\u00fchl der Einsamkeit und Ablehnung. Autistische Kinder haben vielleicht nur wenige Freundschaften, die ihnen Schutz und Sicherheit bieten. Sie haben keine befreundeten Personen, die sie beruhigen und ihre Verzweiflung aufl\u00f6sen k\u00f6nnen. Sie erleben keine Worte oder Taten der Unterst\u00fctzung und des Mitgef\u00fchls, um ihr Selbstwertgef\u00fchl zu st\u00e4rken und das Ereignis zu relativieren. Daher sind die Auswirkungen von Mobbing f\u00fcr autistische Kinder auch gravierender und halten l\u00e4nger an als f\u00fcr nicht-autistische Kinder.<\/p>\n<p><strong>Strategien zur Reduzierung von Mobbing-Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Forschung hat unsere Erfahrungen aus der Praxis best\u00e4tigt. \u00dcber 50\u00a0% der Mobbing-Episoden h\u00f6ren auf, wenn Gleichaltrige eingreifen (Cappadocia et al., 2012). Gleichaltrige m\u00fcssen \u00fcber die Auswirkungen von Mobbing auf autistische Kinder aufgekl\u00e4rt und aktiv ermutigt werden, einzugreifen. Es ist ebenfalls von Vorteil, wenn das soziale Netzwerk der autistischen Kinder erweitert wird, damit es weniger isoliert ist, weniger h\u00e4ufig als Opfer ausgew\u00e4hlt wird und die Unterst\u00fctzung von befreundeten Personen in Anspruch nehmen kann (Hebron &amp; Humphrey, 2014).<\/p>\n<p>Eine Studie von Etherington (2007) untersuchte die Bildung eines Unterst\u00fctzungsteams aus Gleichaltrigen f\u00fcr einen autistischen Sch\u00fcler der achten Klasse. Die Schule w\u00e4hlte sechs Kinder aus, darunter zwei Jungen, die daf\u00fcr ber\u00fcchtigt waren, den autistischen Sch\u00fcler zu schikanieren, und zwei M\u00e4dchen, die zuvor sozial unterst\u00fctzend t\u00e4tig gewesen waren. W\u00e4hrend der Unterrichtszeit fand w\u00f6chentlich ein sechsteiliges Schulungsprogramm mit Unterst\u00fctzungstechniken und Mentoring statt. Man einigte sich auf einen Plan zur Unterst\u00fctzung in den Pausen. Die Teammitglieder erkannten, dass der autistische Sch\u00fcler in den Pausen manchmal alleine sein wollte, und er konnte sich f\u00fcr oder gegen Gesellschaft entscheiden. Die gleichaltrigen Unterst\u00fctzenden erstellten einen Dienstplan, um abwechselnd in jeder Pause \u201eauf Abruf\u201c zu sein. Die Zahl der gemeldeten Vorf\u00e4lle ging deutlich zur\u00fcck, was der autistische Sch\u00fcler wie folgt kommentierte:<\/p>\n<p><em>\u201eJetzt, da ich Unterst\u00fctzung habe, f\u00fchle ich mich nicht mehr alleine. Ich denke nicht mehr st\u00e4ndig daran, dass ich in Schwierigkeiten geraten oder etwas Falsches tun k\u00f6nnte. Ich habe keine Angst mehr, in die Schule zu gehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Unterst\u00fctzungspersonen haben mir wirklich geholfen. Ich kann mit ihnen reden, und sie helfen mir, zu erkennen, ob das, was ich tue, angemessen ist oder nicht. Manchmal wei\u00df ich nicht, ob jemand unfreundlich zu mir ist, aber ich kann in meiner Unterst\u00fctzergruppe fragen und erhalte eine Antwort.<\/em><\/p>\n<p><em>Einmal hat mich ein M\u00e4dchen gebeten, mich auf eine Bank zu stellen und ein Lied zu singen. Ich habe es getan, aber ich glaube, sie wollte sich \u00fcber mich lustig machen. Ich habe eine Unterst\u00fctzungsperson gefragt. Sie hat mir geraten, nicht zu tun, was andere von mir verlangen, wenn ich mich dann innerlich schlecht f\u00fchle. Ich solle einfach Nein sagen und weggehen. Ich denke, sie hat recht. Ich glaube, ich kann ihr vertrauen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Carol Gray (2010) hat Mobbing anhand von Social Stories untersucht, unter anderem zu folgenden Themen:<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist Mobbing?<\/li>\n<li>Mobbing: Was man denken, sagen und tun sollte<\/li>\n<li>Mein Team<\/li>\n<li>Lernen, auf Mobbing zu reagieren<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wir haben auch festgestellt, dass Lehrkr\u00e4fte und Eltern die Strategie in den Comic-Gespr\u00e4chen helfen kann, zu erkennen, wie das autistische Kind die Ereignisse sieht, und die Gedanken und Beweggr\u00fcnde derer zu erkl\u00e4ren, die mobben. Eltern und Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen auf Literatur und Ressourcen zum Thema Mobbing und Autismus zugreifen. Z.\u00a0B. No Fishing Allowed: Reel in Bullying (Gray &amp; Williams, 2006) und die vom Verlag Jessica Kingsley ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher \u00fcber Mobbing \u2013 www.jkp.com.<\/p>\n<p>Es gibt jetzt zudem Videospiele f\u00fcr soziale F\u00e4higkeiten wie Secret Agent Society, das speziell f\u00fcr autistische Kinder entwickelt wurde und Komponenten zum Umgang mit Mobbing f\u00f6rdert (Beaumont et al, 2021). Zudem stehen Ressourcen zur Verbesserung der Online-Sicherheit f\u00fcr autistische Kinder und Jugendliche zur Verf\u00fcgung (Lonie, 2015).<\/p>\n<p>Mobbing kann zu Traumasymptomen f\u00fchren, und EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing \u2013 Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung) hat sich als wirksame Behandlung von Trauma bei autistischen Erwachsenen erwiesen (Lobregt-van Burren et al 2019). In der Studie wurde festgestellt, dass 50 % der Teilnehmenden Flashbacks von Mobbing in der Schule hatten. EMDR kann f\u00fcr autistische Kinder und Jugendliche, die durch Mobbing traumatisiert wurden, als Therapieform in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p><strong>Quellenangaben:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett: <a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/\">https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Beaumont et al. (2021). Journal of Autism and Developmental Disorders 51, 3637\u20133650.<\/p>\n<p>Bitsika, H. &amp; Sharpley (2021). Journal of Autism and Developmental Disorders 51, 1081\u20131092.<\/p>\n<p>Brede et al. (2020). Journal of Autism and Developmental Disorders 50, 4280-4296<\/p>\n<p>Cage &amp; Troxell-Williams (2019). Journal of Autism and Developmental Disorders 49, 1899-1911<\/p>\n<p>Cappadocia et al. (2012). Journal of Autism and Developmental Disorders 42.<\/p>\n<p>Chang et al (2021) Autism 26 1-14.<\/p>\n<p>Chapman et al (2022) Research in Autism Spectrum Disorders 99 102069<\/p>\n<p>Etherington (2007) Good Autism Practice 8, 37-44.<\/p>\n<p>Fisher and Taylor (2016) Autism 20, 402\u2013411.<\/p>\n<p>Forrest, Kroeger and Stroope (2020). Journal of Autism and Developmental Disorders 50, 560-571<\/p>\n<p>Halloran, Coey and Wilson (2022) Clinical Psychology Review 93.<\/p>\n<p>Hebron &amp; Humphrey (2014). Autism 18.<\/p>\n<p>Hoover &amp; Romero (2019). Journal of Autism and Developmental Disorders 49, 1686-1692<\/p>\n<p>Humphrey &amp; Symes (2010). Journal of Research in Special Educational Needs 10, 82\u201390.<\/p>\n<p>Kim and Lecavalier, (2021) Research in Autism Spectrum Disorders 88<\/p>\n<p>Kloosterman et al (2013) Research in Autism Spectrum Disorder 7, 824-832<\/p>\n<p>Lobregt-van Burren et al (2019). Journal of Autism and Developmental Disorders 49, 151\u2013164.<\/p>\n<p>Schroeder et al (2014) Journal of Autism and Developmental Disorders 44<\/p>\n<p>Ung et al (2016) Research in Autism Spectrum Disorders 32, 70-79<\/p>\n<p>van Roekel, Scholte and Didden (2010) Journal of Autism and Developmental Disorders 40, 63-73<\/p>\n<p>Weis et al (2015) Autism Research 8, 727-737.<\/p>\n<p>Zablotsky et al (2013). Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics 34, 1-8<\/p>\n<p><strong>Ressourcen<\/strong><\/p>\n<p>Gray C. and Williams (2006) No Fishing Allowed: Reel in Bullying Student workbook and teacher manual. Arlington, Future Horizons<\/p>\n<p>Gray C. (2010) The New Social Story Book Arlington, Future Horizons<\/p>\n<p>Lonie, N. (2015) Online Safety for Children and Teens on the Autism Spectrum: A Parent\u2019s and Carer\u2019s Guide London Jessica Kingsley Publishers<\/p>\n<p>Secret Agent Society www.sst-institute.net<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div><div class=\"bde-back-to-top-571-114 bde-back-to-top bde-back-to-top--progress is-sticky\">\n\n\n<button aria-label=\"Back to top\" tabindex=\"0\" class=\"bde-back-to-top__button bde-back-to-top__button--progress bde-back-to-top__button--show-always bde-back-to-top__button--animation-fade is-sticky  js-ee-back-to-top\">\n    \t<svg class=\"bde-back-to-top__progress-svg js-progress-svg\" width=\"100%\" height=\"100%\" viewbox=\"-1 -1 102 102\">\n\t  <path class=\"background\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n      <path class=\"tracker\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n  \t<\/svg>\n         <div class=\"bde-back-to-top__icon-wrap\">\n              <svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewbox=\"0 0 384 512\"><!--! 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