{"id":611,"date":"2024-11-06T11:16:41","date_gmt":"2024-11-06T10:16:41","guid":{"rendered":"https:\/\/autismusinfo.com\/?p=611"},"modified":"2024-11-06T11:16:41","modified_gmt":"2024-11-06T10:16:41","slug":"masking-bei-erwachsenen-autistischen-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autismusinfo.com\/da\/masking-bei-erwachsenen-autistischen-menschen\/","title":{"rendered":"Masking bei erwachsenen autistischen Menschen"},"content":{"rendered":"<section class=\"bde-section-611-110 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-button-611-109 bde-button\">\n    \n                                    \n    \n    \n    \n    \n            \n                    \n            \n            \n\n    \n    \n    \n    \n    \n    <a class=\"breakdance-link button-atom button-atom--primary bde-button__button\" href=\"https:\/\/autismusinfo.com\/da\/blog\/\" target=\"_self\" data-type=\"url\"  >\n\n    \n        <span class=\"button-atom__text\">Zur\u00fcck<\/span>\n\n        \n        \n                <\/a>\n\n    \n\n\n<\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-611-102 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-columns-611-106 bde-columns\"><div class=\"bde-column-611-107 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<h1 class=\"bde-heading-611-101 bde-heading\">\nMasking bei erwachsenen autistischen Menschen \u2013 ein Leitfaden f\u00fcr Fachkr\u00e4fte\n<\/h1><div class=\"bde-text-611-111 bde-text\">\n6. november 2024\n<\/div>\n<\/div><div class=\"bde-column-611-108 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"bde-image-611-105 bde-image\">\n<figure class=\"breakdance-image breakdance-image--610\">\n\t<div class=\"breakdance-image-container\">\n\t\t<div class=\"breakdance-image-clip\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"breakdance-image-object\" src=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking.jpg\" width=\"1744\" height=\"2048\" srcset=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking.jpg 1744w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking-255x300.jpg 255w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking-872x1024.jpg 872w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking-768x902.jpg 768w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking-1308x1536.jpg 1308w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Masking-10x12.jpg 10w\" sizes=\"auto, (max-width: 1744px) 100vw, 1744px\"><\/div>\n\t<\/div><\/figure>\n\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-611-112 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-rich-text-611-113 bde-rich-text breakdance-rich-text-styles\">\n<p><strong>Von Emma Hinze, Professor Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett \u2013 \u00dcbersetzung: Sigrid Andersen<\/strong><\/p>\n<p>Heute achten wir in der Forschung und klinischen Praxis verst\u00e4rkt auf Masking bei autistischen Personen. Masking beginnt h\u00e4ufig schon in der Kindheit, setzt sich im Jugendalter fort und dauert meist bis ins Erwachsenenalter an, da die Betroffenen verst\u00e4rkt sozialen Druck und entwicklungsbedingte Ver\u00e4nderungen erleben. F\u00fcr Fachleute ist es entscheidend, Masking bei autistischen Jugendlichen zu verstehen und zu erkennen, da diese Altersgruppe in dieser kritischen Phase erheblichen Herausforderungen gegen\u00fcbersteht.\u00a0 Dieser Leitfaden st\u00fctzt sich auf aktuelle Forschung und klinische Erfahrung und bietet wichtige \u00dcberlegungen zum Erkennen von Masking bei autistischen Jugendlichen.<\/p>\n<p><strong>Autistisches Masking verstehen<\/strong><\/p>\n<p>Masking beschreibt Strategien, die autistische Personen anwenden, um sich an \u00fcberwiegend neurotypische soziale Umgebungen anzupassen.\u00a0 Mithilfe dieser Strategien werden autistische Verhaltensweisen versteckt und unterdr\u00fcckt sowie neurotypisches Verhalten und oberfl\u00e4chliche neurotypische Interaktionen nachgeahmt, um nicht verurteilt oder falsch verstanden zu werden. W\u00e4hrend Masking kurzfristig soziale Erfolge erm\u00f6glichen kann, verlangt es den Betroffenen kognitiv und emotional extrem viel ab. Und das kann langfristig der psychischen Gesundheit schaden und sich in Angst, Depression und Burnout manifestieren (Hull et al., 2017; Cassidy et al., 2019).<\/p>\n<p>Autistische Jugendliche maskieren h\u00e4ufig, um negative soziale Erfahrungen zu vermeiden. Sie m\u00f6chten nicht gemobbt oder als \u201eseltsam\u201c oder \u201eanders\u201c wahrgenommen werden. Im Gegensatz zu neurotypischen Jugendlichen, die sich normalerweise verstellen, um dazuzugeh\u00f6ren und Freundschaften zu schlie\u00dfen (Bernardin et al., 2021).\u00a0 Dieser Wunsch, sich selbst zu sch\u00fctzen, kann auf eine gro\u00dfe sozial bedingte Gef\u00e4hrdung von autistischen Jugendlichen hindeuten und die Notwendigkeit von Interventionen bei Mobbing und Ablehnung durch Gleichaltrige unterstreichen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen die gro\u00dfen sozialen Erwartungen und der Druck, den Teenager erleben \u2013 beispielsweise in komplexen Beziehungen und beim Einhalten gesellschaftlicher Normen \u2013 Masking noch verst\u00e4rken.<\/p>\n<p><strong>Wichtige \u00dcberlegungen f\u00fcr Fachleute<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Die Ambivalenz von Masking<\/li>\n<\/ol>\n<p>Masking kann in bestimmten Situationen hilfreich sein, da es autistischen Jugendlichen erm\u00f6glicht, sich sozial zu integrieren und unmittelbare negative Konsequenzen zu vermeiden. Fachleute sollten jedoch erkennen, dass dieser soziale \u201eErfolg\u201c langfristig einen sehr hohen Preis hat. Forschungsergebnisse zeigen, dass Masking kognitiv und emotional extrem anstrengend ist und zu Burnout, Angstst\u00f6rungen und einem h\u00f6heren Risiko f\u00fcr psychische Erkrankungen wie Depressionen f\u00fchren kann (Cook et al., 2022; Hull et al., 2017). Fachleute sollten daher sorgf\u00e4ltig abw\u00e4gen, ob Masking im sozialen Kontext tats\u00e4chlich kurzfristig hilfreich sein kann oder ob das Risiko f\u00fcr langfristige Beeintr\u00e4chtigungen zu gro\u00df ist.\u00a0 Generell muss das Wohlergehen der Jugendlichen im Mittelpunkt stehen.<br \/><br \/><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Masking<\/li>\n<\/ol>\n<p>Untersuchungen deuten darauf hin, dass autistische M\u00e4dchen h\u00e4ufiger maskieren als autistische Jungen (Lai et al., 2017). Es ist jedoch wichtig, zu erkennen, dass Masking bei allen Geschlechtern auftreten kann, auch bei nicht-bin\u00e4ren und genderfluiden Personen. In der Vergangenheit konzentrierte man sich bei der Forschung auf bin\u00e4re Geschlechtsunterschiede, wodurch gender-diverse Erfahrungen oft vernachl\u00e4ssigt wurden. Das f\u00fchrt dazu, dass bei nicht-bin\u00e4ren und genderfluiden Personen sowie bei Trans-Personen Autismus m\u00f6glicherweise nur schwer erkannt wird, da sie sozial \u201eunauff\u00e4llig\u201c wirken und ihre inneren K\u00e4mpfe mit sich selbst verbergen.<br \/><br \/>Autistische M\u00e4dchen maskieren meist sowohl in Bezug auf ihr Verhalten als auch in Bezug auf Kompensationsstrategien h\u00e4ufiger als Jungen.\u00a0 Verhaltensbezogenes Maskieren bedeutet Nachahmen sozialer Verhaltensweisen, w\u00e4hrend kompensatorisches Masking dazu dient, zugrunde liegende soziale und kognitive Schwierigkeiten zu verbergen, wie zum Beispiel das fehlende Verst\u00e4ndnis f\u00fcr subtile Andeutungen und Normen.\u00a0 Auf diese Weise k\u00f6nnen Herausforderungen im sozialen Bereich verschleiert werden. Deshalb sollten Fachleute unbedingt sowohl Verhalten als auch kognitive Aspekte ber\u00fccksichtigen (Wood-Downie et al., 2021).\u00a0 Dazu kommt, dass autistische M\u00e4dchen h\u00e4ufig sozial besser integriert sind als Jungen, was das Erkennen ihrer sozialen Probleme zus\u00e4tzlich erschweren kann (Wood-Downie et al., 2021).<br \/><br \/>Wird dadurch eine Diagnose erst sp\u00e4t gestellt, erhalten Betroffene eventuell nicht rechtzeitig Hilfe. Ihre psychische Gesundheit verschlechtert sich rasch (Wood-Downie et al., 2021). Fachleute sollten daher nicht nur oberfl\u00e4chliche soziale Interaktion betrachten, sondern erkennen, dass Masking bei autistischen Menschen viele verschiedene Formen haben kann. Die Erfahrungen, die autistische Menschen emotional mit sich selbst ausmachen, wie beispielsweise soziale \u00c4ngste und sensorische Hypersensibilit\u00e4t, k\u00f6nnen zu verst\u00e4rktem Masking f\u00fchren. Dadurch wird dieser innere Kampf h\u00e4ufig nicht sofort sichtbar. Ein genderinklusiver Ansatz ist entscheidend, damit Diagnosen nicht verz\u00f6gert oder gar nicht gestellt werden, insbesondere bei den Betroffenen, bei denen Masking ihre tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnisse und ihren emotionalen Stress verschleiert. <br \/><br \/>Dazu kommt, dass autistische Frauen manchmal maskieren, um nicht diagnostiziert zu werden, da sie Angst vor Vorurteilen und davor, anders behandelt zu werden, haben. Dadurch wird Masking bei Frauen noch komplexer. Sie f\u00fchlen sich m\u00f6glicherweise gezwungen, ihre wahre Identit\u00e4t zu verbergen, um einer Stigmatisierung zu entgehen (Bernardin et al., 2021). Es ist wichtig, zu betonen, dass die Forschung zwar oft Unterschiede im Masking bei M\u00e4dchen und Jungen macht, dass diese Verhaltensweisen aber nicht geschlechtsspezifisch sind. Autistische Menschen aller Geschlechtsidentit\u00e4ten maskieren unterschiedlich stark. Daher sollten Fachleute bei der Beurteilung von Masking-Verhalten keine Annahmen aufgrund des Geschlechts der Betroffenen treffen.<br \/><br \/><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>\u00dcberlegungen in Bezug auf die Entwicklung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Jugend ist gepr\u00e4gt von bedeutenden neurologischen und psychologischen Ver\u00e4nderungen, und die erh\u00f6hten sozialen Erwartungen in dieser Zeit k\u00f6nnen Masking verst\u00e4rken.\u00a0 Der Wechsel zu einer weiterf\u00fchrenden Schule f\u00e4llt oft mit steigendem Gruppenzwang zusammen und stellt somit einen kritischen Zeitpunkt f\u00fcr die Abkl\u00e4rung dar. Mit zunehmendem Alter der Jugendlichen werden ihre Masking-Strategien m\u00f6glicherweise ausgefeilter. Sie werden sich immer st\u00e4rker bewusst, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Das kann zu gezielteren Bem\u00fchungen f\u00fchren, autistische Merkmale zu verschleiern. F\u00fcr Fachleute wird es somit schwierig, Masking zu erkennen.<br \/><br \/>Wie gut man im Alltag \u201efunktioniert\u201c, h\u00e4ngt meist von h\u00e4ufigem und effizientem Masking ab, insbesondere im Hinblick auf Kompensationsstrategien. Die Beurteilung dieser spezifischen kognitiven Masking-F\u00e4higkeiten kann Fachleuten helfen, zu verstehen, wie gut Jugendliche in der Lage sind, soziale Interaktionen zu bew\u00e4ltigen, aber auch auf eine erh\u00f6hte kognitive und emotionale Belastung hinweisen (Hull et al., 2020). Interessanterweise hat der IQ offenbar keinen konsistenten Einfluss auf Masking, was darauf hindeutet, dass diese Verhaltensweisen \u00fcber das gesamte intellektuelle Spektrum hinweg auftreten k\u00f6nnen (Hull et al., 2020). Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass ein h\u00f6herer IQ das Ausma\u00df des kompensatorischen Masking beeinflussen k\u00f6nnte, wobei Jugendliche mit besseren kognitiven F\u00e4higkeiten trotz zugrunde liegender sozialer Herausforderungen oft besser zurechtkommen (Wood-Downie et al., 2021).<br \/><br \/>Zus\u00e4tzlich zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede dahingehend, wie leicht Masking f\u00e4llt. Autistische Jungen beschreiben es oft als unkompliziert, w\u00e4hrend autistische M\u00e4dchen es als schwieriger und emotional belastender empfinden (Bernardin et al., 2021). Diese Unterschiede k\u00f6nnten den zus\u00e4tzlichen sozialen Druck, sich komplexen sozialen Normen anzupassen, widerspiegeln, der auf M\u00e4dchen lastet. Diese Tatsache begr\u00fcndet auch, warum M\u00e4dchen in verschiedenen Situationen st\u00e4rker maskieren und Techniken anwenden, die eine h\u00f6here kognitive und emotionale Belastung erfordern, wie beispielsweise Kompensation.<br \/><br \/><\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>Nicht nur oberfl\u00e4chliche soziale Interaktion beachten<\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen beim Erkennen von Masking besteht darin, dass autistische Jugendliche auf den ersten Blick sozial kompetent wirken k\u00f6nnen, was zu einer Fehleinsch\u00e4tzung ihrer tats\u00e4chlichen Schwierigkeiten f\u00fchrt. Masking bedeutet h\u00e4ufig nicht nur das Verbergen autistischer Merkmale, sondern auch das aktive Einsetzen von Verhaltensweisen, die als sozial normativ gelten, wie beispielsweise das Halten von Blickkontakt, L\u00e4cheln oder das Verwenden von einstudierten Gespr\u00e4chsabl\u00e4ufen. Diese Kompetenzen spiegeln jedoch m\u00f6glicherweise nicht das tats\u00e4chliche Wohlbefinden oder die F\u00e4higkeit der Person in sozialen Situationen wider (Cook et al., 2022).<br \/><br \/>Um diesem Aspekt gerecht zu werden, sollten Fachkr\u00e4fte Selbstausk\u00fcnfte mit Beobachtungsmethoden kombinieren. Tools wie das Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q; Hull et al., 2019) bieten Einblicke dahingehend, wie es den Betroffenen beim Masking wirklich geht. Zudem erlaubt das Sammeln qualitativ hochwertiger Daten durch Befragungen oder reflektierende \u00dcbungen Jugendlichen, Situationen zu beschreiben, in denen sie das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcren, zu maskieren, und so die Diskrepanzen zwischen \u00e4u\u00dferer Kompetenz und inneren K\u00e4mpfen offenzulegen.<br \/><br \/>Zudem sollte verst\u00e4rkt ber\u00fccksichtigt werden, dass Masking nicht immer bewusst stattfindet. Einige Personen wissen wom\u00f6glich gar nicht, dass sie maskieren, was die Bedeutung von Berichten von Eltern oder Lehrkr\u00e4ften unterstreicht, um ein vollst\u00e4ndiges Bild zu erhalten (Hull et al., 2020). Zudem kann Masking autistischen Jugendlichen zwar helfen, Freundschaften aufzubauen, hat aber einen hohen Preis. Die Betroffenen f\u00fchlen sich emotional ausgebrannt und haben das Gef\u00fchl, nie sie selbst sein zu k\u00f6nnen (Bernardin et al., 2021).<br \/><br \/><\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>Auswirkung auf psychische Gesundheit und Wohlbefinden<\/li>\n<\/ol>\n<p>Masking ist stark mit negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit verkn\u00fcpft. Es kommt zu erh\u00f6hter \u00c4ngstlichkeit, Depressionen und Suizidalit\u00e4t (Cassidy et al., 2019). Fachkr\u00e4fte sollten daher nicht nur bewerten, ob maskiert wird, sondern auch die emotionale Belastung erkennen, die es f\u00fcr Jugendliche mit sich bringt.\u00a0 Indem direkt nachgefragt wird, ob sich Betroffene ausgebrannt f\u00fchlen oder soziale \u00c4ngste haben, k\u00f6nnen die verborgenen Auswirkungen von Masking aufgedeckt werden.<br \/><br \/>Autistische M\u00e4dchen berichten oft davon, sich nach dem Maskieren emotional ersch\u00f6pft und\u00a0 nicht mehr authentisch zu f\u00fchlen, w\u00e4hrend autistische Jungen h\u00e4ufiger angeben, neutral oder sogar positiv eingestellt zu sein. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede verdeutlichen, wie wichtig es ist, die negativen sozialen Auswirkungen von Masking zu ber\u00fccksichtigen, insbesondere bei M\u00e4dchen, die aufgrund des Verbergens ihrer autistischen Merkmale mit st\u00e4rkeren inneren Konflikten konfrontiert sein k\u00f6nnen (Bernardin et al., 2021). Die kognitive Belastung, die Masking \u2013 insbesondere bei gezielter Kompensation \u2013 mit sich bringt, kann die psychische Gesundheit erheblich beeintr\u00e4chtigen und zu langfristiger emotionaler Ersch\u00f6pfung und Burnout f\u00fchren (Hull et al., 2020).<br \/><br \/><\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li>Bedeutung f\u00fcr Familie und Schule<\/li>\n<\/ol>\n<p>Autistische Jugendliche erleben in verschiedenen sozialen Situationen unterschiedlich viel Druck, der sie zum Masking veranlasst. Beispielsweise k\u00f6nnen die Erwartungen, die in der Schule, zu Hause oder unter Gleichaltrigen an sie gestellt werden, v\u00f6llig unterschiedlich sein. Fachkr\u00e4fte sollten bei der Bewertung von Masking einen kontextuellen Ansatz w\u00e4hlen und untersuchen, wie sich das Verhalten der Jugendlichen je nach Umfeld ver\u00e4ndert. Das Einbinden von Eltern, Lehrpersonen und Gleichaltrigen bei der Abkl\u00e4rung kann wertvolle Einblicke in das soziale Verhalten der Jugendlichen in unterschiedlichen Situationen liefern.\u00a0 Lehrkr\u00e4fte haben dabei oft eine einzigartige Perspektive darauf, wie Jugendliche Beziehungen zu Gleichaltrigen und soziale Dynamiken in strukturierten Umgebungen bew\u00e4ltigen.<br \/><br \/><\/p>\n<p><strong>Ganzheitlicher Ansatz zum Erkennen von Masking<\/strong><\/p>\n<p>Das Erkennen von Masking bei autistischen Jugendlichen erfordert einen umfassenden und mehrdimensionalen Ansatz.\u00a0 Fachkr\u00e4fte sollten das komplexe Zusammenspiel zwischen dem inneren Erleben der Jugendlichen, dem sozialen Umfeld und den m\u00f6glichen langfristigen Folgen aufgrund von Masking ber\u00fccksichtigen. Mithilfe einer Kombination von Selbstauskunft-Tools, Beobachtungstechniken und ausf\u00fchrlichen Befragungen k\u00f6nnen Fachkr\u00e4fte die soziale Kompetenz und das Wohlbefinden der Jugendlichen besser verstehen. Mit weiteren Erkenntnissen in diesem Bereich wird die Forschung voraussichtlich spezifischere Diagnoseinstrumente f\u00fcr diese Zielgruppe entwickeln. Heute jedoch ist es entscheidend, die verborgenen Herausforderungen zu erkennen und anzugehen, die Masking f\u00fcr autistische Jugendliche mit sich bringen kann.<\/p>\n<p>Da sich Masking bereits in der fr\u00fchen Jugend entwickelt und in dieser Phase relativ stabil bleibt (Hull et al., 2020), ist eine fr\u00fchzeitige Identifikation von Masking von gro\u00dfer Bedeutung. Eine rechtzeitige Abkl\u00e4rung kann dazu beitragen, die psychischen Folgen abzuschw\u00e4chen, die mit langanhaltendem Masking so h\u00e4ufig einhergehen.<\/p>\n<p>Quellen<\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett: <a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/\">https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bernardin, C.J., Mason, E., Lewis, T.\u202fet al.\u202f\u201cYou Must Become a Chameleon to Survive\u201d: Adolescent Experiences of Camouflaging.\u202fJ Autism Dev Disord\u202f51, 4422\u20134435 (2021). https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10803-021-04912-1<\/p>\n<p>Cassidy SA, Bradley L, Bowen E, Wigham S, Rodgers J. Measurement properties of tools used to assess suicidality in autistic and general population adults: A systematic review. Clin Psychol Rev. 2018 Jun;62:56-70. doi: 10,1016\/j.cpr.2018.05.002. Epub 2018 May 5. PMID: 29778930.<\/p>\n<p>Hull L, Petrides KV, Mandy W. Cognitive Predictors of Self-Reported Camouflaging in Autistic Adolescents. Autism Res. 2021 Mar;14(3):523-532. doi: 10,1002\/aur.2407. Epub 2020 Oct 13. PMID: 33047869.<\/p>\n<p>Hull, L., Petrides, K.V., Allison, C.\u202fet al.\u202f\u201cPutting on My Best Normal\u201d: Social Camouflaging in Adults with Autism Spectrum Conditions.\u202fJ Autism Dev Disord\u202f47, 2519\u20132534 (2017). https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10803-017-3166-5<\/p>\n<p>Hull, L., Mandy, W., Lai, MC.\u202fet al.\u202fDevelopment and Validation of the Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q).\u202fJ Autism Dev Disord\u202f49, 819\u2013833 (2019). https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10803-018-3792-6<\/p>\n<p>Lai, M.-C., Lombardo, M. V., Auyeung, B., Chakrabarti, B., &amp; Baron-Cohen, S. (2015). Sex\/Gender Differences and Autism: Setting the Scene for Future Research. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 54(1), 11\u201324. https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jaac.2014.10.003<\/p>\n<p>Wood-Downie, H., Wong, B., Kovshoff, H.\u202fet al.\u202fSex\/Gender Differences in Camouflaging in Children and Adolescents with Autism.\u202fJ Autism Dev Disord\u202f51, 1353\u20131364 (2021). https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10803-020-04615-z<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div><div class=\"bde-back-to-top-611-114 bde-back-to-top bde-back-to-top--progress is-sticky\">\n\n\n<button aria-label=\"Back to top\" tabindex=\"0\" class=\"bde-back-to-top__button bde-back-to-top__button--progress bde-back-to-top__button--show-always bde-back-to-top__button--animation-fade is-sticky  js-ee-back-to-top\">\n    \t<svg class=\"bde-back-to-top__progress-svg js-progress-svg\" width=\"100%\" height=\"100%\" viewbox=\"-1 -1 102 102\">\n\t  <path class=\"background\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n      <path class=\"tracker\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n  \t<\/svg>\n         <div class=\"bde-back-to-top__icon-wrap\">\n              <svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewbox=\"0 0 384 512\"><!--! 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