{"id":752,"date":"2025-08-17T13:45:32","date_gmt":"2025-08-17T11:45:32","guid":{"rendered":"https:\/\/autismusinfo.com\/?p=752"},"modified":"2025-08-17T13:45:32","modified_gmt":"2025-08-17T11:45:32","slug":"sinneswahrnehmung-bei-autismus-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/sinneswahrnehmung-bei-autismus-teil-2\/","title":{"rendered":"Sinneswahrnehmung bei Autismus: Teil 2"},"content":{"rendered":"<section class=\"bde-section-752-110 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-button-752-109 bde-button\">\n        \n    \n    \n    \n    \n            \n                    \n            \n            \n\n    \n    \n    \n    \n    \n    <a class=\"breakdance-link button-atom button-atom--primary bde-button__button\" href=\"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/blog\/\" target=\"_self\" data-type=\"url\"  >\n\n    \n        <span class=\"button-atom__text\">Zur\u00fcck<\/span>\n\n        \n        \n                <\/a>\n\n    \n\n\n<\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-752-102 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-columns-752-106 bde-columns\"><div class=\"bde-column-752-107 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<h1 class=\"bde-heading-752-101 bde-heading\">\nSinneswahrnehmung bei Autismus: Teil 2\n<\/h1><div class=\"bde-text-752-111 bde-text\">\n17. August 2025\n<\/div>\n<\/div><div class=\"bde-column-752-108 bde-column\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"bde-image-752-105 bde-image\">\n<figure class=\"breakdance-image breakdance-image--686\">\n\t<div class=\"breakdance-image-container\">\n\t\t<div class=\"breakdance-image-clip\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"breakdance-image-object\" src=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Meltdown.png\" width=\"871\" height=\"856\" srcset=\"https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Meltdown.png 871w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Meltdown-300x295.png 300w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Meltdown-768x755.png 768w, https:\/\/autismusinfo.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Meltdown-12x12.png 12w\" sizes=\"auto, (max-width: 871px) 100vw, 871px\"><\/div>\n\t<\/div><\/figure>\n\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div>\n<\/section><section class=\"bde-section-752-112 bde-section\">\n  \n  \n\t\n\n\n\n<div class=\"section-container\"><div class=\"bde-rich-text-752-113 bde-rich-text breakdance-rich-text-styles\">\n<p><strong>Von Professor Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett, \u00dcbersetzung Sigrid Andersen<\/strong><\/p>\n<p><br \/>Im bereits ver\u00f6ffentlichten Blogbeitrag zu diesem Thema,\u00a0<a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/sensory-sensitivity-and-autism-part-1\/\">Hypersensibilit\u00e4t bei Autismus:<\/a><a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/sensory-sensitivity-and-autism-part-1\/\"> Teil 1<\/a>, haben wir die unterschiedliche sensorische Wahrnehmung beim H\u00f6ren, F\u00fchlen, Sehen, Riechen sowie bei den Vorg\u00e4ngen im Inneren des K\u00f6rpers beschrieben. In diesem zweiten Teil besch\u00e4ftigen wir uns mit Screenings- und Messwerkzeugen f\u00fcr sensorische Empfindsamkeit, mit Syn\u00e4sthesie, emotionaler Empfindsamkeit, angenehmen sensorischen Reizen und Bew\u00e4ltigungsstrategien bei sensorischer Hypersensibilit\u00e4t.<br \/><br \/><\/p>\n<p><strong>Screenings- und Messwerkzeuge f\u00fcr sensorische Empfindsamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Das Sensory Profile 2 wurde 2014 von Winnie Dunn festgehalten. Es besch\u00e4ftigt sich mit dem sensorischen Wahrnehmungsprofil von Kindern. Zudem haben Catana Brown und Winnie Dunn 2002 ein Wahrnehmungsprofil f\u00fcr Jugendliche\/Erwachsene ver\u00f6ffentlicht. Olga Bogdashina hat die zweite Auflage ihres Buches Sensory Perceptual Issues and Autism (2016) ver\u00f6ffentlicht, das eine 140-Punkte-Checkliste enth\u00e4lt, die sich am sensorischen Profil von autistischen Menschen orientiert. Ein weiteres Werkzeug ist der Sensory Perception Quotient (SPQ) (Tavassoli et al., 2014), mit dem die visuelle, auditive, taktile, Geruchs- und Geschmackswahrnehmung von autistischen Erwachsenen gemessen werden kann. Hier einige Beispiele f\u00fcr Punkte, die mit dem SPQ abgefragt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich kann verschiedene Menschen an ihrem Geruch erkennen<\/li>\n<li>Ich h\u00f6re das Summen von elektrischen Kabeln in den W\u00e4nden<\/li>\n<li>Ich kann ohne Sonnenbrille nicht in die pralle Sonne<\/li>\n<li>Normalerweise bin ich die erste Person, die h\u00f6rt, wenn eine Fliege im Raum ist<\/li>\n<li>Ich sehe in den meisten Umgebungen die Staubpartikel in der Luft<\/li>\n<li>In einem zweist\u00f6ckigen Geb\u00e4ude h\u00f6re ich \u00fcberall, wenn jemand staubsaugt<\/li>\n<li>Ich h\u00f6re jede Note eines Akkords, auch dann, wenn er aus zehn Noten besteht<\/li>\n<li>Ich rieche sofort, wenn irgendwo im Haus etwas auch nur minimal angebrannt\/verbrannt riecht<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der Fragebogen\u00a0<em>Glasgow Sensory Questionnaire<\/em>\u00a0(Robertson and Simmons (2013) ermittelt<\/p>\n<p>Hypersensibilit\u00e4t und verminderte Wahrnehmung:<\/p>\n<ul>\n<li>Stellst du manchmal fest, dass du dich verletzt hast, obwohl du keinen Schmerz gesp\u00fcrt hast?<\/li>\n<li>Erschrickst du stark, wenn du unerwartet ein Ger\u00e4usch h\u00f6rst?<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der Fragebogen\u00a0<em>Interoception Sensory Questionnaire<\/em>\u00a0(ISQ8; Suzman et al., 2021) beinhaltet acht Bereiche, die sich mit der Wahrnehmung der Vorg\u00e4nge im K\u00f6rperinneren besch\u00e4ftigen. Einige Fragen lauten zum Beispiel:<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><em> Ich kann die Signale meines K\u00f6rpers meist nur schwer deuten, es sei denn, sie sind sehr stark<\/em><\/li>\n<li><em> Manchmal bemerke ich nur, dass sich an meinem K\u00f6rper etwas ver\u00e4ndert, weil andere mich darauf hinweisen<\/em><\/li>\n<li><em> Die Signale meines K\u00f6rpers wahrzunehmen, ist f\u00fcr mich sehr schwierig (beispielsweise bemerke ich nicht, dass ich gleich in Ohnmacht falle oder dass ich mich zu sehr verausgabt habe)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Bei den Screenings- und Messwerkzeugen f\u00fcr sensorische Wahrnehmung handelt es sich nicht nur Forschungswerkzeuge, sondern um praktische Hilfsmittel, die genutzt werden k\u00f6nnen, um die sensorische Wahrnehmung einer autistischen Person zu ermitteln. Versteht man mithilfe dieser Werkzeuge, wie gewisse sensorische Reize wahrgenommen werden, k\u00f6nnen die richtigen erforderlichen Anpassungen zu Hause, in der Schule, bei der Arbeit und in einem Beratungs- oder Therapieraum vorgenommen werden. Mit diesem praktischen Ansatz k\u00f6nnen Fachkr\u00e4fte in den Bereichen P\u00e4dagogik und Therapie, Eltern und Betroffene informierte Entscheidungen treffen und Umgebungen schaffen, die auf die jeweiligen Bed\u00fcrfnisse abgestimmt sind.<br \/><br \/><\/p>\n<p><strong>Syn\u00e4sthesie<\/strong><\/p>\n<p>Syn\u00e4sthesie entsteht, wenn eine Sinneswahrnehmung eine andere Sinneswahrnehmung ausl\u00f6st. Die wohl bekannteste Syn\u00e4sthesie tritt auf, wenn ein geschriebenes Wort, ein Symbol oder ein Ger\u00e4usch gedanklich sofort mit einer Farbe verbunden wird. Beispielsweise kann der Buchstabe A mit der Farbe Rot assoziiert werden. Auch Musiknoten k\u00f6nnen als Farben wahrgenommen werden, und W\u00f6rter k\u00f6nnen einen bestimmten Geschmack vorgaukeln. Beispielsweise erleben einige Menschen beim Wort \u201eEltern\u201c einen Apfelgeschmack im Mund. Bei nicht-autistischen Menschen ist Syn\u00e4sthesie extrem selten. Lediglich zwei bis vier Prozent der Erwachsenen erleben Syn\u00e4sthesie. Im Gegensatz dazu erlebt eine von f\u00fcnf autistischen Personen Syn\u00e4sthesie (Baron-Cohen et al., 2013).<\/p>\n<p>Wir haben autistische Erwachsene kennengelernt, die eine farbige \u201eAura\u201c um Menschen wahrnehmen, die je nach Pers\u00f6nlichkeit unterschiedlich ist. Sie zeigt ihnen an, welchen Menschen sie vertrauen k\u00f6nnen und welche sie meiden sollten.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang muss klar erkannt werden, dass Syn\u00e4sthesie zum sensorischen Profil von autistischen Menschen geh\u00f6rt und nichts mit psychischen St\u00f6rungen zu tun hat. Einige Menschen, die Syn\u00e4sthesie erleben, nutzen sie f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Kunst.<br \/><br \/><\/p>\n<p><strong>Emotionale Empfindsamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Unsere klinische Erfahrung und autobiografische Berichte best\u00e4tigen, dass autistische Menschen extrem hellh\u00f6rig in Bezug auf negative Emotionen anderer Personen sind. Entt\u00e4uschung, Angst oder Unruhe sp\u00fcren sie sofort.\u00a0 Sie scheinen eine Art \u201esechsten Sinn\u201c zu besitzen und k\u00f6nnen so \u201enegative Energien\u201c wahrnehmen. Es kann beispielsweise vorkommen, dass eine autistische Person sich weigert, einen Raum zu betreten, in dem andere Menschen sind, wobei dies nicht notwendigerweise aufgrund von Problemen mit Ger\u00e4uschen oder visuellen Reizen geschieht, sondern aufgrund von \u201enegativer Energie in diesem Raum\u201c. Bei diesem Ph\u00e4nomen konnten wir feststellen, dass mit dieser emotionalen Empfindsamkeit die \u201eStimmung\u201c h\u00e4ufig korrekt erkannt wird.<\/p>\n<p>Diese emotionale Empfindsamkeit kann auch ein Grund daf\u00fcr sein, dass autistische Menschen Menschenmassen meiden, da in diesen Situationen ja die Gefahr besteht, andere Personen mit schlechter Laune zu treffen und von dieser \u201eangesteckt\u201c zu werden. Zudem kann emotionale Empfindsamkeit auch dazu beitragen, dass autistische Menschen Blickkontakt meiden, denn \u00fcber die Augen werden auch Gef\u00fchle wahrgenommen (Smith, 2009).<\/p>\n<p>Emotionale Empfindsamkeit kann bei allen Autismusformen auftreten. Robert Hughes (2003) beschrieb seinen nonverbalen autistischen Sohn Walker als \u201eultrasensibles emotionales Barometer, das negative Gef\u00fchle sofort registriert, ganz egal, wie gut wir glauben, sie zu verbergen.\u201c<\/p>\n<p>Und Aaron Wahl (2019) schrieb in seiner Autobiografie:\u00a0<em>\u201eDie Gef\u00fchle anderer habe ich h\u00e4ufig sehr deutlich wahrgenommen, obwohl ich keinen Zugang zu meiner eigenen Gef\u00fchlswelt hatte\u201c<\/em>. Dies ist wahrscheinlich auf die Schwierigkeiten mit Interozeption bei Autismus zur\u00fcckzuf\u00fchren, die wir im\u00a0<a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/sensory-sensitivity-and-autism-part-1\/\">ersten Teil des Blogbeitrags Hypersensibilit\u00e4t bei Autismus beschreiben.<\/a><\/p>\n<p>Weitere autistische Menschen beschrieben das Ph\u00e4nomen wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eIch kann kleinste Andeutungen oder Gef\u00fchls\u00e4nderungen wahrnehmen, die andere Menschen nicht bemerken.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAuf Emotionen anderer Menschen reagiere ich sofort unbewusst. Das hat mir im Laufe der Jahre geholfen, auch meine eigenen Gef\u00fchle besser zu verstehen.<\/em><\/p>\n<p>Autistische Menschen k\u00f6nnen von negativen Gef\u00fchlen anderer Menschen \u201eangesteckt\u201c werden. Eine autistische Person berichtete:\u00a0<em>\u201eGef\u00fchle sind f\u00fcr mich ansteckend<\/em>.\u00a0<em>Wenn jemand auf mich zukommt und mit mir sprechen m\u00f6chte, gleichzeitig aber besorgt, \u00e4ngstlich oder w\u00fctend ist, bin ich das pl\u00f6tzlich auch.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In der Therapie helfen wir autistischen Personen also dabei, eine mentale Barriere zu schaffen. Sie k\u00f6nnen beispielsweise eine Metapher verwenden, sich ein Kraftfeld vorstellen, eine R\u00fcstung anlegen, ein Schutzschild verwenden oder einen imagin\u00e4ren Regenschirm aufspannen, um bei einem \u201eemotionalen Wolkenbruch\u201c \u201etrocken\u201c zu bleiben.\u00a0 Zudem empfehlen wir autistischen Personen, ihre Empfindsamkeit bez\u00fcglich der negativen Stimmung anderer zu erkl\u00e4ren. Indem sie erz\u00e4hlen, dass der Grund f\u00fcr ihren zeitweiligen R\u00fcckzug oder das Meiden von Personen eine Bew\u00e4ltigungsstrategie aufgrund ihrer emotionalen Empfindsamkeit ist, erfahren andere Personen, dass nicht sie als Person abgelehnt werden.<\/p>\n<p>Dr. Stephen Porges (2017) verwendete erstmals den Begriff Neurozeption, um die instinktive neuronale Verschaltung bei uns Menschen zu beschreiben, die uns hilft, Bedrohungen und Gefahren zu erkennen.\u00a0 Neurozeption geschieht vorbewusst. Das hei\u00dft, dass wir zuerst gar nicht wahrnehmen, dass unser K\u00f6rper sich auf Kampf, Flucht oder Erstarren vorbereitet. Leider f\u00fchrt das auch dazu, dass autistische Menschen ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr Traumatisierung haben, wobei ein Trauma auch dadurch entstehen kann, dass sie sich anders\/falsch f\u00fchlen oder ausgeschlossen werden. Sie entwickeln h\u00e4ufiger eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung mit Symptomen wie Hypervigilanz, Misstrauen, Albtr\u00e4umen usw. Die emotionale Empfindsamkeit von autistischen Menschen betrifft zudem h\u00e4ufiger negative Emotionen und nur selten Freude oder Begeisterung. Es ist daher auch m\u00f6glich, dass autistische Menschen aufgrund ihrer andersartigen neuronalen Verschaltung und\/oder aufgrund gro\u00dfer Angst\/schwerwiegenden Traumaerfahrungen eine unglaubliche sensible Neurozeption haben. <br \/><br \/><\/p>\n<p><strong>Angenehme sensorische Reize<\/strong><\/p>\n<p>Einige sensorische Erlebnisse k\u00f6nnen f\u00fcr autistische Menschen \u00e4u\u00dferst angenehm, beruhigend oder faszinierend sein (Smith &amp; Sharp, 2013). Diese angenehmen sensorischen Reize geh\u00f6ren zu den positiven Aspekten von Autismus. Manchmal sind autistische Menschen besonders fasziniert von Ordnung und Symmetrie. Sie sind begeistert von Gleisen und Schwellen, Lattenz\u00e4unen, Stra\u00dfenlaternen und Telegrafenmasten. Aufgrund ihrer Regelm\u00e4\u00dfigkeit und vorhersehbaren Position werden sie als \u00e4u\u00dferst beruhigend empfunden. Eine gesch\u00e4rfte visuelle Wahrnehmung kann dazu f\u00fchren, dass Details faszinierend sind f\u00fcr autistische Menschen. Sie beobachten beispielsweise die Struktur einer Feder, das Drehen der Waschmaschinentrommel oder die verschiedenen Gelbt\u00f6ne eines Kleidungsst\u00fcckes oder Gem\u00e4ldes ganz genau und lieben diese Wahrnehmung. Ein sensibles Geh\u00f6r kann dazu f\u00fchren, dass komplexe Musikst\u00fccke gro\u00dfe Freude bereiten, was nat\u00fcrlich auch die Laune positiv beeinflusst. Ein sensibler Geruch und ein sensibler Geschmack sorgen h\u00e4ufig daf\u00fcr, dass einige Lebensmittel besonders genossen werden und belgische Schokolade oder franz\u00f6sischer Champagner ein wahres Hochgef\u00fchl ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Diese gro\u00dfe Freude kann leider aber auch dazu f\u00fchren, dass man sich \u201eim Moment verliert\u201c, wie ein Teilnehmer der Studie von Smith and Sharp beschreibt:\u00a0<em>\u201eIch kann gar nicht sagen, wie lange ich da gestanden habe. Ich erinnere mich nur daran, dass das Auto hinter mir gehupt und die Leute mich angeschrien haben, w\u00e4hrend ich v\u00f6llig fasziniert beobachtete, wie die Ampel immer wieder umschaltete.\u201c<br \/><br \/><\/em><\/p>\n<p><strong>Bew\u00e4ltigungsstrategien bei sensorischer Empfindsamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die sensorische Integrationstherapie (SIT) wurde urspr\u00fcnglich in den 1970er-Jahren von der US-amerikanischen Entwicklungspsychologin A. Jean Ayres entwickelt, die damit Kindern helfen wollte, die Schwierigkeiten mit der Verarbeitung von sensorischen Reizen hatten.\u202fDie sensorischen Interventionen bestehen aus sensorischen Aktivit\u00e4ten oder Erlebnissen, die Kinder dabei unterst\u00fctzen sollen, die interne sensorische Verarbeitung und Selbstkontrolle zu verbessern und adaptive Bew\u00e4ltigungsstrategien zu entwickeln.\u00a0 Dieser Ansatz wurde bei autistischen Kindern erfolgreich eingesetzt und ist daher als wissenschaftliche Methode anerkannt (Schoen et al., 2018).<\/p>\n<p>Autistische Kinder und Erwachsene profitieren meist von Strategien, die von Eltern oder anderen autistischen Menschen entdeckt worden sind. Auditive Hypersensibilit\u00e4t kann beispielsweise mit Ohrst\u00f6pseln, Noise-Cancelling-Kopfh\u00f6rern, Geh\u00f6rschutz oder Musik im Hintergrund reduziert werden. Einige Ger\u00e4usche k\u00f6nnen vermieden werden, zum Beispiel, wenn staubgesaugt wird, w\u00e4hrend das autistische Kind in der Schule ist.<\/p>\n<p>Hypersensibilit\u00e4t bez\u00fcglich Lichtst\u00e4rke und Art des visuellen Reizes kann abgeschw\u00e4cht werden, indem drau\u00dfen eine Sonnenbrille, eine Kappe mit Schild oder bei starkem Licht von oben ein Visier getragen werden. Leuchtstoffr\u00f6hren k\u00f6nnen durch Gl\u00fchlampen ersetzt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr autistische Kinder k\u00f6nnen Sinneswahrnehmungen angsteinfl\u00f6\u00dfend sein. Andere entdecken, dass eine sich stets wiederholende Handlung oder Sinneswahrnehmung als Bew\u00e4ltigungs- oder Fluchtmechanismus genutzt werden kann. Mary Temple Grandin beschreibt ihre Kindheit wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eIch war v\u00f6llig fasziniert, wenn ich eine M\u00fcnze oder einen Deckel auf dem Tisch tanzen lassen konnte. Dann sah und h\u00f6rte ich nichts anderes. Die Menschen um mich herum verschwanden v\u00f6llig, kein anderes Ger\u00e4usch drang zu mir durch. Fast war es so, als ob ich vor\u00fcbergehend taub geworden w\u00e4re. Sogar ein pl\u00f6tzliches lautes Ger\u00e4usch konnte mich nicht aus meiner Welt rei\u00dfen. Wenn ich aber in der \u201enormalen Welt\u201c war, einer Welt mit anderen Menschen, war ich extrem ger\u00e4uschempfindlich.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Stimming kann in diesem Zusammenhang die sensorische Hypersensibilit\u00e4t reduzieren. Dies ist auch k\u00fcrzlich in einer Studie zu repetitivem Verhalten best\u00e4tigt worden (Charlton et al., 2021; Nwaordu and Charlton, 2023).<\/p>\n<p>In unseren Gespr\u00e4chen mit autistischen Erwachsenen, die sensorische Hypersensibilit\u00e4t erleben, erkl\u00e4rten sie, dass die sensorischen Erfahrungen weniger belastend sind, wenn sie Beginn und Intensit\u00e4t der Erfahrung kontrollieren k\u00f6nnen.\u00a0 Sie d\u00fcrfen von einem Reiz nicht \u00fcberrumpelt werden und m\u00fcssen ihn jederzeit unterbrechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wissen wir heute auch, dass sensorische Hypersensibilit\u00e4t und Angst einander beeinflussen. Je gr\u00f6\u00dfer die Angst, desto empfindsamer ist man gegen\u00fcber Sinnesreizen und umgekehrt. Therapien, mit denen die sensorische Hypersensibilit\u00e4t abgeschw\u00e4cht werden kann, f\u00fchren dazu, dass auch die Angst abnimmt, genauso wie Therapien zur Angstbew\u00e4ltigung auch die sensorische Hypersensibilit\u00e4t reduzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Anmerkung der \u00dcbersetzerin Sigrid Andersen:<\/strong><\/p>\n<p>Auf meiner Website <a href=\"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/tools-links-frageboegen\/\">https:\/\/autismusinfo.com\/tools-links-frageboegen<\/a> haben wir sensorische Frageb\u00f6gen auf Deutsch entwickelt, die derzeit in der Verifizierung sind.<\/p>\n<p>Diese d\u00fcrfen gerne kostenlos heruntergeladen und ausgef\u00fcllt an <a href=\"mailto:kontakt@autismusinfo.com\">kontakt@autismusinfo.com<\/a> geschickt werden, ich werte sie im Rahmen meiner Verifizierung und meines Non-Profit-Projektes kostenlos und anonymisiert aus.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett: <a href=\"https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/\">https:\/\/attwoodandgarnettevents.com\/category\/attwood-and-garnett-blog\/<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Baron-Cohen et al. (2013) Autism 4<\/p>\n<p>Bogdashina, O (2016). Sensory Perceptual Issues in Autism and Asperger Syndrome. London, Jessica Kingsley Publishers<\/p>\n<p>Brown, C &amp; Dunn W. (2002). The Adolescent\/Adult Sensory Profile Pearson Assessments<\/p>\n<p>Charlton et al. (2021). Research in ASD 89 101864<\/p>\n<p>Dunn W. (2014). Sensory Profile 2 Pearson Assessments<\/p>\n<p>Hughes R (2003). Running with Walker Jessica Kingsley Publishers<\/p>\n<p>Nwaordu and Charlton (2023) Journal of Autism and Developmental Disabilities 53<\/p>\n<p>Robertson and Simmons (2013) Journal of Autism and Developmental Disorders 43<\/p>\n<p>Schoen et al (2018) Autism Research 12<\/p>\n<p>Smith, A. (2009) The Psychological Record 59 489\u2013510<\/p>\n<p>Smith and Sharp (2013) Journal of Autism and Developmental Disorders 43<\/p>\n<p>Suzman et al. (2021) Molecular Autism 12:42<\/p>\n<p>Tavassoli et al. (2014) Molecular Autism 5:29<\/p>\n<p>Wahl A. (2019) Ein Tor zu eurer Welt KNAUR<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<\/div><div class=\"bde-back-to-top-752-114 bde-back-to-top bde-back-to-top--progress is-sticky\">\n\n\n<button aria-label=\"Back to top\" tabindex=\"0\" class=\"bde-back-to-top__button bde-back-to-top__button--progress bde-back-to-top__button--show-always bde-back-to-top__button--animation-fade is-sticky  js-ee-back-to-top\">\n    \t<svg class=\"bde-back-to-top__progress-svg js-progress-svg\" width=\"100%\" height=\"100%\" viewbox=\"-1 -1 102 102\">\n\t  <path class=\"background\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n      <path class=\"tracker\" d=\"M50,1 a49,49 0 0,1 0,98 a49,49 0 0,1 0,-98\"\/>\n  \t<\/svg>\n         <div class=\"bde-back-to-top__icon-wrap\">\n              <svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewbox=\"0 0 384 512\"><!--! 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In diesem zweiten Teil [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":686,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_breakdance_hide_in_design_set":false,"_breakdance_tags":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-752","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=752"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":754,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/752\/revisions\/754"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/autismusinfo.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}