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Wege zur Unterstützung autistischer Mädchen in der Schule

26. September 2024

Von Dr. Michelle Garnett und Prof. Tony Attwood – Übersetzung: ProZ-Probono-Netzwerk & Sigrid Andersen


In einem früheren Blogbeitrag haben wir bereits erörtert, wie man autistische Mädchen im Klassenzimmer erkennt. Leider ist es auch heute noch häufig so, dass Autismus bei Mädchen erst erkannt wird, wenn die psychische Gesundheit bereits gelitten hat. Einmal erkannt und verstanden, gibt es viele Möglichkeiten, wie Lehrkräfte ihre autistischen Schülerinnen im Klassenzimmer in sozialen, emotionalen und akademischen Bereichen unterstützen können. Dieser Blogbeitrag bietet Tipps und Strategien für Lehrkräfte und Assistenzkräfte. Eltern können diese Informationen an die Lehrkräfte ihrer Tochter weitergeben.


Emotionale Unterstützung und das Lernen über Emotionen

Autistische Mädchen haben große Angst davor, aufzufallen oder als andersartig wahrgenommen zu werden. Bieten Sie diskret Ihre Hilfe an, beispielsweise vor dem Beginn des Unterrichts, in der Pause oder nach der letzten Stunde des Tages.
Geben Sie dem Ausdruck von Emotionen Zeit und Raum, indem Sie mehrere Ausdrucksformen anbieten: sprechen, schreiben, Kunst, finden von passenden Bildern auf Google, Musik, Poesie, Materialien zum Formen, malen und zeichnen.
Bieten Sie zudem einen ruhigen Platz zum Arbeiten an und lassen Sie den betroffenen Mädchen die Wahl, neben welche Person sie sich setzen dürfen. Wenn Sie spezielle Hilfs- und Rückzugsmittel anbieten, sollten Sie diese der ganzen Klasse anbieten.

Respektieren Sie die Gefühle betroffener Mädchen und bestätigen Sie sie.

  • Lassen Sie die Mädchen wissen, dass es okay ist, so zu fühlen.
  • Verwenden Sie visuelle Hilfsmittel wie z. B. das Gefühlsrad, um betroffenen Mädchen zu helfen, ihre Gefühle zu erkennen.
  • Besprechen Sie Entspannungsstrategien, wenn die betroffenen Mädchen ruhig sind.
  • Erlauben Sie betroffenen Mädchen, die Klasse früher zu betreten, um dem Gedränge und dem Lärm zu entgehen.

Akademisches Lernen

  • Besprechen Sie mit den Eltern die möglichen Auslöser für Ängste sowie alle spezifischen Ängste.
  • Ängste im Zusammenhang mit Veränderungen und Übergängen können verringert werden, indem man betroffene Mädchen an die bevorstehenden Veränderungen erinnert.
  • Machen Sie das Lernen konkret und erklären Sie Zusammenhänge, sodass ein „Gesamtbild“ entsteht.
  • Nutzen Sie verschiedene Lernmodalitäten für den Unterricht, viele autistische Schulkinder lernen besser visuell oder kinästhetisch.
  • Visuelle Hilfsmittel können eine große Unterstützung sein: ein visueller Zeitplan und To-do-Listen, die Informationen sowohl schriftlich als auch bildlich darstellen.
  • Nehmen Sie sich Zeit für individuelle und persönliche Gespräche.
  • Planen Sie Zeit alleine im Laufe des Tages ein, um echte Pausen vom sozialen und akademischen Lehrplan zu ermöglichen.
  • Erlauben Sie es der Klasse, sich bei Bedarf zu bewegen und ermöglichen Sie den Zugang zu beruhigenden Gegenständen wie Stimming-Spielzeug, Plüschtieren und Steinen.

Soziales Lernen

Autistische Mädchen benötigen wahrscheinlich Hilfe, um die Haltung von anderen Menschen, Absichten und Erwartungen besser zu verstehen. Es wäre auch hilfreich, wenn sie ein paar Verbündete in der Schule hätten. Dabei kann es sich auch um beratende Personen handeln, die ihnen mit folgenden Punkten eventuell helfen können:

Durch Gespräche, Videos, Geschichten oder Rollenspiele können sie erfahren, was Freundschaft für jedes Klassenmitglied bedeutet. Achten Sie auf eine offene, neugierige und respektvolle Kultur, in der alle gerne mehr darüber erfahren möchten, wie andere Menschen denken. Eine freundliche und empathische Kultur, in der Vielfalt willkommen ist.

Mithilfe der Social Stories© und Comic Strip Conversations© von Carol Gray können betroffene Mädchen mehr über ihre Denkweise und soziale Regeln in der Schule erfahren, die meist als besonders verwirrend empfunden werden:

Social Stories und Comic Strip Conversations
Halten Sie nach empathischen und freundlichen Gleichaltrigen Ausschau, die gerne bei der Inklusion helfen und in unbeaufsichtigten Zeiten sowie bei Gruppenprojekten unterstützen.

Nutzen Sie Rollenspiele oder soziale Situationen mit alternativem Ausgang dazu, zwischenmenschliche Konflikte zu lösen und flexibles Denken zu fördern.

Bieten Sie Anleitung zum Eingehen von Kompromissen und Finden von Problemlösungen im Falle eines Konflikts mit Gleichaltrigen.

Beobachten Sie bewusst, wie betroffene Mädchen von anderen behandelt werden und schützen Sie sie proaktiv vor Mobbing und Ausgrenzung.


Quellen:
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett: https://attwoodandgarnettevents.com/category/attwood-and-garnett-blog/

 

 
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