One drop can change everything.

10 Things You Need to Know About Your Autistic Partner

18. September 2024

Einführung

Wenn Sie in einer Beziehung mit einer autistischen Beziehungsperson sind, eine Person im Spektrum daten oder mit einer autistischen Person verheiratet sind, kann dies in Bezug auf Ihre Auffassung, was eine Liebesbeziehung ausmacht, eine Herausforderung sein. Ihre autistische Beziehungsperson hat möglicherweise zu Beginn der Beziehung ganz deutlich gezeigt, dass sie wirklich an Ihnen interessiert ist, aber jetzt scheint sie viel mehr Zeit ohne Sie verbringen zu wollen. Während die Gespräche intellektuell gesehen so erfüllend sind wie immer, werden Sie sich vielleicht fragen, wann die autistische Beziehungsperson endlich anfängt, mehr über ihre Gefühle zu sprechen und Sie an ihren Gedanken teilhaben lässt. Vielleicht interessiert sich Ihre Beziehungsperson auch nicht so sehr für Ihre Freundschaften und Ihre Familie, wie Sie es erwartet haben. Manchmal fällt es ihr vielleicht auch schwer, zu erkennen, wenn Sie emotionalen Trost brauchen. In solchen Zeiten ist ein tiefgreifendes Verständnis für Ihre autistische Beziehungsperson notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden. In diesem Blog listen wir 10 Dinge auf, die Sie über Ihre autistische Beziehungsperson wissen müssen, damit Ihre Beziehung die besten Voraussetzungen hat, um zu gedeihen.

Die zehn Dinge, die Sie über Ihre autistische Beziehungsperson wissen müssen


1. Sie brauchen wirklich sehr viel Zeit für sich

Einer der anstrengendsten Aspekte im Leben Ihrer autistischen Beziehungsperson ist wahrscheinlich die Interaktion mit Menschen, und die beste Erholung bei sozialer Überlastung ist Zeit alleine. Eine autistische Frau formulierte es so: „Für jede Stunde Sozialkontakt brauche ich eine Stunde Zeit der Erholung für mich alleine.“  Selbst extrovertierte autistische Menschen können weniger gut sozialisieren als nicht-autistische Personen,. Ihre Sozialkapazität entspricht vielleicht eher der Menge in einer Teetasse oder in einem Fingerhut statt jener in einem Eimer. Generell verlieren diese Menschen schneller und mehr Energie, je mehr Menschen an einer gesellschaftlichen Veranstaltung. Manche Personen rauben zudem besonders viel Energie. Für Ihre autistische Beziehungsperson sind auch Gespräche mit Ihnen soziale Energie, die vom „sozialen Energiekontingent“ für den Tag abgezogen wird. Unter der Woche oder sogar jedes Wochenende Zeit mit befreundeten Personen und der Familie zu verbringen, kann zu Erschöpfung und sozialer Überlastung führen. Das Bedürfnis Ihrer autistischen Beziehungsperson, Zeit alleine zu verbringen, ist ein Bewältigungsmechanismus gegen Depressionen und Burnout.

2. Manchmal ist ein Interesse, dass all ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, ihre einzige wahre Form der Entspannung

Eine Autistin drückte es wie folgt aus: „Kunst ist für mich kein Interesse, Kunst ist mein Sauerstoff zum Leben.“ Mit anderen Worten: Dieses Spezialinteresse kann die beste Form der Erholung für Ihre autistische Beziehungsperson sein, wenn sie sich stundenlang diesem Interesse widmet. In einer Welt, in der das Sprechen, die Interaktion und das Genießen von sozialen Kontakten die Norm sind, kann es schwierig sein, das Bedürfnis, sich voll und ganz diesem Interesse zu widmen, zu akzeptieren. Ganz egal, ob es sich dabei um Arbeit, Modelleisenbahnen, Kunst oder Motorräder handelt. In einer autistischen Beziehung ist es ein großer Liebesbeweis, die Leidenschaft Ihrer Beziehungsperson zu akzeptieren und sie entweder zu teilen oder Ihre eigene zu finden und voll und ganz ohne Schuldgefühle zu genießen.

3. Eine der Charakterstärken Ihrer autistischen Beziehungsperson ist Ehrlichkeit

Tatsächlich kann es für eine autistische Person äußerst schwierig sein, zu lügen. Obwohl dies eine Charakterstärke ist und Vertrauen in der Beziehung schafft, ziehen nicht-autistische Beziehungspersonen manchmal eine „Notlüge“ in einer Beziehung vor. Zum Beispiel möchten Sie als Beziehungsperson vielleicht für eine neue Frisur oder ein neues Outfit gelobt werden, vielleicht sogar für Ihre Denkweise oder Reaktion. Gelobt und bestätigt zu werden, ist hilfreich und stärkt in der Regel die Beziehung. Für Ihre autistische Beziehungsperson allerdings wird meist die Wahrheit einen größeren Stellenwert haben, wodurch manchmal bei Ihnen das Gefühl entstehen kann, dass Ehrlichkeit zu bestimmten Zeiten höher geschätzt wird als Ihre gemeinsamen Beziehungsziele. Ihre autistische Beziehungsperson aber möchte Sie weder untergraben noch kritisieren. Ihre Art der Unterstützung und Liebe zeigt sich darin, dass sie ehrlich zu Ihnen ist.

4. Ihre autistische Beziehungsperson kann vielleicht nicht über Gefühle oder was in ihrem Kopf vorgeht sprechen

Eine häufig auftretende Komorbidität bei Autismus ist Alexithymie. Alexithymie ist Griechisch und bedeutet wörtlich: „a“ = ein Mangel an, „lexi“ = Worten, für „Thymie“ = Gefühle. Also die Unfähigkeit, Gefühle zu benennen und zu beschreiben. Wenn Sie also Ihre Beziehungsperson fragen, wie sie über etwas Bestimmtes denkt, ist es wahrscheinlich, dass sie Ihnen diese Frage nicht beantworten kann und nicht, dass sie es Ihnen nicht sagen möchte. Für autistische Menschen ist es sehr schwierig, Gedanken und Gefühle mitzuteilen, und der Grund dafür ist möglicherweise Alexithymie. Dazu kommen vielleicht aber auch Schwierigkeiten mit der Selbstreflexion, die ebenfalls typisch für Autismus ist. Durch diese Schwierigkeiten Ihrer autistischen Beziehungsperson, sich zu öffnen, haben Sie vielleicht das Gefühl, dass in der Beziehung eine gewisse emotionale Distanz besteht und Sie sich nach mehr emotionaler Intimität sehnen.

5. Liebe und Zuneigung werden unterschiedlich ausgedrückt

MRT-Untersuchungen der Gehirne von autistischen Menschen zeigen, dass bei ihnen bei der Äußerung von Liebe und Zuneigung zu anderen Menschen andere Bereiche des Gehirns aktiviert werden als bei nicht-autistischen Personen. Auch die Empathieschaltung des Gehirns funktioniert anders. Ihre autistische Beziehungsperson fühlt Liebe und Empathie, hat jedoch möglicherweise Schwierigkeiten, beides so auszudrücken, dass Sie sich geliebt oder empathisch verstanden fühlen. Ihre autistische Beziehungsperson zeigt Liebe beispielsweise, indem sie etwas für Sie erledigt, für Sie aufräumt oder Ihr Hemd bügelt, anstatt Sie ganz neurotypisch verliebt anzuschauen, ihre Liebe zu bekunden oder körperliche Zuneigung zu zeigen.

6. Die völlig andere sensorische Wahrnehmung Ihrer autistischen Beziehungsperson kann möglicherweise unvorhersehbare Auswirkungen auf Ihr Leben haben

Vielleicht war Ihnen immer schon bewusst, dass Ihre autistische Beziehungsperson alltägliche Geräusche wie spielende Kinder als zu laut empfindet und bestimmte Formen von Beleuchtung unangenehm für sie sind. Häufig aber kann Ihre Beziehungsperson gar nicht ausdrücken, wie zerstörerisch und erschöpfend die sensorische Welt für sie sein kann. Oft braucht Ihre Beziehungsperson jeden Tag unglaublich viel Energie, um einfach nur mit dem Schmerz und Stress, den bestimmte, für Sie ganz normale sensorische Erfahrungen bei ihr auslösen, zurechtzukommen. Das kann dazu führen, dass sie abends dann weniger Energie für die Beziehung hat als erwartet. Verringerte taktile Sensibilität und Hypersensibilität (zu große Sensibilität) können sich auf das Liebesleben auswirken. Beispielsweise können schon leichte Berührungen als quälend oder unangenehm empfunden werden, während fester Druck eher angenehm ist für einige Personen.

7. Veränderung sind eine große Herausforderung und manchmal unmöglich

Eines der Diagnosekriterien für Autismus sind Schwierigkeiten mit Veränderungen, selbst wenn es sich um kleine Veränderungen handelt. Ihre autistische Beziehungsperson hat möglicherweise im Laufe der Jahre gelernt, diesen Aspekt zu maskieren,. Wenn Sie Ihre autistische Beziehungsperson aber besser kennenlernen, stellen Sie vielleicht fest, dass Vielfalt für sie nicht das Leben aufregender und interessanter macht und Überraschungen unerträglich sind. Mit gewohnten Abläufen und bestimmten Ritualen werden Sie daher keineswegs als kontrollierend oder nervend aufgefasst, sondern Sie helfen Ihrer Beziehungsperson, sich zu beruhigen und zu entspannen, um so besser im Leben zurechtzukommen.

8. Soziale Anlässe können die Hölle sein

Möglicherweise weigert Ihre autistische Beziehungsperson sich hartnäckig, zu Treffen mit befreundeten Personen und der Familie zu kommen. Und das stört Sie vielleicht. Vielleicht fühlen Sie sich sogar wieder, als wären Sie single, wenn Sie ausgehen und etwas mit anderen unternehmen. Wie oben beschrieben, meidet Ihre Beziehungsperson Ihre Familie und befreundeten Personen aber nicht um deren Willen, sondern hat wahrscheinlich nicht so viel Energie für Sozialkontakte wie Sie. Besonders dann nicht, wenn sie Menschen nicht besonders gut kennen oder viele Menschen treffen sollen wie zum Beispiel auf einer Party. Für Ihre autistische Beziehungsperson ist bei Sozialkontakten Qualität wichtiger als Quantität. Ihre Akzeptanz in diesem Punkt ist eine große Hilfe für Ihre Beziehungsperson.

9. Die Neurologie Ihrer Beziehungsperson, die benötigt wird, um die Perspektive einer anderen Person zu verstehen, funktioniert anders

Autistisch zu sein ist keine Wahl, keine schlechtere Art des Seins und ganz sicher kein Charakterfehler. Autistisch zu sein bedeutet, dass ein großartiges Gehirn etwas anders funktioniert, besonders dann, wenn es Menschen lesen und schnell und instinktiv Rückschlüsse darauf ziehen soll, was diese Menschen wollen, erwarten oder brauchen. Ihre autistische Beziehungsperson ist keineswegs gleichgültig oder stumpfsinnig, wenn sie Ihre verbale oder nonverbale Kommunikation nicht genau lesen kann. Sie verpasst meist einfach nur Ihre Hinweise, weil ihre Neurologie es Ihnen schwermacht, diese zu erkennen. Auch, wenn Sie Ihre Sichtweise ausführlich erläutert haben, kann es für Ihre autistische Beziehungsperson schwierig sein, sie vollständig zu verstehen und zu akzeptieren. Eine autistische Beziehungsperson sehr auf bestimmte Themen fixiert sein und egozentrisch wirken. Dabei ist wichtig, zu bedenken, dass sie keineswegs egoistisch ist, sondern  aufgrund ihrer unterschiedlichen Neurologie Schwierigkeiten mit dem Perspektivenwechsel, der in der „Theory of Mind“ beschrieben wird, zu zeigen. Um mehr über die autistische Neurologie zu erfahren, können Sie unseren Blogbeitrag mit dem Namen Was ist HFA? lesen.


10. Ihre autistische Beziehungsperson maskiert vielleicht einige Eigenschaften, Verhaltensweisen und Gefühle, um zu überleben

In letzter Zeit wurden umfangreiche Forschungsprojekte zu einer häufig verwendeten Bewältigungsstrategie für autistische Menschen, nämlich zum Masking durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein faszinierendes Thema, und wir empfehlen Ihnen dringend, unseren Blogbeitrag Was ist Masking? zu lesen. Wenn Ihre autistische Beziehungsperson verbirgt, wer sie ist, kann es zu Erschöpfung, geringem Selbstwertgefühl, Angst, Depressionen und dem Gefühl, keinen Zugang zum wahren Ich zu haben, führen. Vielleicht fragen Sie sich, wer Ihre autistische Beziehungsperson wirklich ist. Genau diese Frage stellt sie sich vielleicht auch selbst. In diesem Fall ist sie wahrscheinlich oft gereizt und braucht mehr Zeit für sich selbst. Masking ist eine sehr intelligente Strategie, muss jedoch mit Bedacht eingesetzt werden. Ihre autistische Beziehungsperson muss sich bei Ihnen und manchen anderen Personen sicher fühlen, um wieder Zugang zu ihrem wahren Ich zu erhalten.

Zusammenfassung

Ihre autistische Beziehungsperson hat einige wirklich außergewöhnliche und unglaublich liebevolle Charakterzüge, zu denen wahrscheinlich Ehrlichkeit, Engagement, Loyalität, Neugier, Kreativität und Empathie zählen. Dennoch wird sie Sie manchmal verrückt machen und Sie werden sich fragen, warum Sie eigentlich in einer Beziehung mit ihr sind. Ein autistisches Gehirn funktioniert anders, und bei verbal kommunizierenden, intelligenten, autistischen Erwachsenen kann dies zu Verwirrung bei Ihrer Beziehungsperson führen. Indem Sie für Ihre autistische Beziehungsperson Verständnis aufbringen und sie akzeptieren, hat Ihre Beziehung die besten Voraussetzungen, um zu gedeihen.

Quellen:
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett:
https://attwoodandgarnettevents.com/category/attwood-and-garnett-blog/

 

 

 
en_GBEnglish (UK)