Von Professor Tony Attwood, Übersetzung – Sigrid Andersen
Autistische Teenager sind häufig körperlich weniger aktiv als nicht-autistische Gleichaltrige. Natürlich stellen die Eltern dabei fest, dass autistische Teenager nicht so häufig an offiziellen und inoffiziellen Sportaktivitäten als nicht-autistische Gleichaltrige teilnehmen können. Dies betrifft besonders Team- und Profisport, da hier das Soziale und Dyspraxie (Koordinationsstörung) besonders große Herausforderungen darstellen. Das führt dazu, dass Betroffene häufiger übergewichtig und/oder weniger körperlich fit sind, wenn man Werte wie Herz-Kreislauf-Fitness, Kräftigung des Oberkörpers und Rumpfes, Ausdauer und Beweglichkeit des Unterkörpers betrachtet.
Es gibt viele Faktoren, die sowohl Sportaktivitäten alleine als auch in der Gruppe erschweren. Dazu gehören schlechte Kondition und Ballfertigkeiten, die wiederum zu einem geringen Selbstwertgefühl führen. Häufig werden Betroffene von körperlich fitteren Gleichaltrigen gemobbt. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Verhaltens und der Emotionen, die die Teilnahme an Gruppenaktivitäten einschränken oder unmöglich machen sowie eine Vorliebe für sitzende, bildschirmbasierte und intellektuelle Beschäftigungen. Andere Aktivitäten werden manchmal vehement abgelehnt. Sportbetreuende verfügen oft nicht über Fachkenntnisse im Bereich Autismus und bieten nicht-autistischen Gleichaltrigen wenig Anleitung, wie sie auf die Besonderheiten der autistischen Personen aus ihrer Klasse oder ihrer Teammitglieder eingehen können. Wir wissen jedoch, wie wichtig Bewegung für die körperliche und geistige Gesundheit sowie für klares Denken ist. Bewegung ist häufig auch ein wichtiger Bestandteil von kognitiver Verhaltenstherapie zur Behandlung von Angst, Depression und Wut.
Eine kürzlich durchgeführte, detaillierte Prüfung der Forschung dazu, wie wichtig Bewegung für autistische Kinder und Jugendliche ist, zeigte, dass Bewegung als evidenzbasierte Strategie von großer Bedeutung ist (Healy et al., 2018). Die Analyse bestätigte eine positive Wirkung auf das handwerkliche Geschick, die Bewegungsfunktion, fitnessbezogene und soziale Fertigkeiten sowie auf Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit.
Bei dieser Analyse wurden viele verschiedene Bewegungsformen untersucht, darunter das Young Athletes Programm, Trampolinsport, Reiten, computerbasierte Bewegungsformen wie Nintendo Wii Exergaming, Laufen und Joggen sowie Wassergymnastik. Interessant ist, dass Reiten auch den Aufbau einer Beziehung zu den Pferden erleichterte, was schließlich zu weniger sozialem Rückzug führte.
Es sollte daher stets sorgfältig überlegt werden, welche körperliche Aktivität am besten für die physischen und psychischen Bedürfnisse der einzelnen Jugendlichen geeignet ist. In diesem Zusammenhang kann auch eine Einschätzung von Fachkräften auf den Gebieten Fitness oder Physiotherapie/Ergotherapie wertvoll sein, um Körpertyp, Fitness und motorische Fähigkeiten der betroffenen Person zu ermitteln. Auch Fachkräfte auf dem Gebiet Personal Training können ein individuelles Fitnessprogramm erstellen und Motivation, Engagement und Erfolgserlebnisse unterstützen.
Eltern und Lehrkräfte sollten regelmäßige Bewegung in den Schul- und Familienalltag autistischer Jugendlicher integrieren, um so Fitness, körperliche und mentale Gesundheit, kognitive Fähigkeiten und Selbstwertgefühl zu verbessern. Aus meiner umfangreichen klinischen Erfahrung können autistische Jugendliche, die eine bestimmte Sportart aktiv ausüben und schließlich zu einem Spezialinteresse machen, körperliche Fähigkeiten entwickeln, die olympischem Standard entsprechen.
Quellenangaben:
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Tony Attwood und Dr. Michelle Garnett: https://attwoodandgarnettevents.com/category/attwood-and-garnett-blog/
Healey et al (2018) The effect of physical activity interventions on youth with Autism Spectrum Disorder: A meta-analysis. Autism Research 11 818-833.
Eigene Gedanken zu diesem Artikel:
Bei Sport und Bewegung können zudem sensorische Reize eine große Herausforderung darstellen. Daher ist es häufig wichtig, eine Bewegungsform zu finden, die dem sensorischen Profil der Betroffenen entspricht und ihnen wirklich Spaß macht. Besonders geeignet ist neuesten Studien zufolge schwimmen.